Nun bin ich endlich hier.
In Peru.
In Cusco.
Seit 20 Jahren will ich diese Reise machen und nun zu meinem 30. Geburtstag erfülle ich mir endlich diesen lateinamerikanischen Traum. Ich kann es kaum glauben, dass ich tatsächlich hier bin und gleichzeitig ist es das normalste auf der Welt.
Let’s back up a little bit – ich möchte ja aus einer embodied Perspektive erzählen, wo alle Aspekte des Erlebens wichtig sind:
So lange möchte ich diese Reise nun schon machen, dass sich die Erwartungen, Ängste und Wünsche über die Jahre aufgestaut haben – gerade was den Übersee-Flug angeht. Seit meiner Amerika-Reise mit 15 hatte ich nicht mehr einen so langen Flug erlebt und die Angst vor Flügen trübt immer meine Vorfreude auf Reisen, weil sie damit beginnen und enden. Das jahrelange Warten auf diese Reise hat die Angst vor solch einem langen Flug nicht gerade verbessert.
Ich freue mich sehr, berichten zu dürfen, dass die ganze Angst nicht unbegründet war (denn wenn sie da ist, hat sie einen Grund), aber dass ich eine gelockerte Beziehung zum Fliegen entwickeln durfte, denn es waren 3 wundervolle, entspannte und zum Glück ereignislose Flüge. Es ging von Wien nach Amsterdam und von dort nach Lima. In Lima legte ich erstmal einen Zwischenstopp in einem superteueren (weil das einzige direkt am Flughafen) Hotel ein, weil ich Abends ankam und ich mich nicht alleine in eine 11-Millionen-große-Einwohner-Stadt auf machen wollte – vor allem, wenn ich noch kein Gefühl für das Land, die Menschen und die Stadt habe.
So hatte ich eben ein Zimmer, das eigentlich für 4 Menschen gedacht gewesen wäre 😂 .. und ich kostete den Platz so richtig aus! Meine Rucksäcke bekamen ein eigenes Bett. Am nächsten Tag ging es nach einem amerikanischen, ausgiebigen Frühstück im Hotel mit all meinem Gepäck direkt wieder zum gegenüberliegenden Flughafen für den Flug nach Cusco. Nach einer Stunde Flugzeit waren wir auch schon angekommen. Alleine die Landung war spektakulär, denn der Flughafen liegt mitten in der Stadt, die mitten in den Bergen liegt, weshalb die Landebahn sehr kurz und somit auch der Bremsweg kurz und intensiv ist 😅


Am Flughafen angekommen nahm ich mir ganz unverblümt ein Taxi eines seriös wirkenden Unternehmens. Mit dem Taxi-Fahrer führte ich spanischen Smalltalk, er erzählte mir ein bisschen etwas über die Stadt und er brachte mich sicher durch den verrückten Verkehr zu meiner Unterkunft – den völlig überteuerten Preis gab ich ihm von Herzen gerne und legte sogar noch was drauf! 😜
Für Cusco mietete ich ein Mini-Airbnb mit 20qm für mich ganz alleine. Ich hatte das Bedürfnis erstmal für mich alleine ankommen zu wollen. Und das war gut so. Denn als ich ankam, bin ich in Tränen ausgebrochen – einerseits aus Erleichterung und Überraschung, dass die Anreise so easy war und trotzdem lang und anstrengend, andererseits, weil ich ENDLICH HIER WAR. Den restlichen Abend und den Morgen darauf habe ich mich deshalb erstmal im Bett verkrümelt, ich hatte keine große Lust nach draußen zu gehen und mit irgendjemandem zu sprechen und genau dem gab ich auch nach (wenn auch mit großen Schuldgefühlen), denn genau dafür hatte ich mir ja ein AirBnb für mich selbst gemietet.
Das Alleine-sein mit einer gewissen inneren und äußeren Leere hat mich anfänglich sehr überrollt und ist in den Tagen danach noch stärker geworden. Aber nicht nur diese Leere hielt mich vom Stadt-Erkunden ab, sondern auch die ganzen Schüsse 😂
Im Durchschnitt hört man hier in Cusco nämliche alle 15 Minuten einen lauten Knall – ganz egal zu welcher Uhrzeit, ganz egal welcher Wochentag. Denn hier wird gefeiert! Die Peruaner sind schlicht und einfach feier- und feuerfreudig und lassen mit oder ohne Anlass jederzeit Raketen hochgehen. Hier ist wohl alles ein bisschen lockerer 🤭
Am nächsten Tag bin ich Mittags dann erstmal auf die Dachterrasse hochgegangen, die für alle Bewohner des Hauses zugänglich ist und dort erwartete mich der wunderschönste Ausblick auf Cusco – siehe selbst:

Danach schnappte ich mir meinen zuvor gepackten Rucksack und machte mich auf in die Stadt. Dabei ließ ich mich ganz nach meinem Gefühl treiben. Von San Blas (dem Künstlerviertel), wo ich mir direkt ein selbstgewebtes Armband andrehen habe lassen, ging ich durch enge, charmante und herabgekommene Gassen bis zum Plaza de Armas, dem Hauptplatz. Dort ließ ich mich auf der großen Treppe in der Sonne nieder und hielt meine Eindrücke zeichnend fest. Die Hitze habe ich dabei auf alle Fälle unterschätzt, weshalb ich schon seit Tag 1 leicht rosa gefärbt bin 😁 Bis jetzt bin ich sehr positiv überrascht, wie viel ich zum Spanisch sprechen komme; ich hatte in einer touristischen Stadt wie Cusco erwartet vermehrt auf Englisch angesprochen zu werden, doch Spanisch ist die erste Wahl und die Peruaner beginnen freudig weiterführende Gespräche – egal ob Verkaufsstrategie oder nicht, ich freue mich darüber! 🥳




Danach ließ ich mich wieder durch die Stadt treiben, bekam einen Smoothie für 130 Soles statt 13*, erschreckte mich vor den gebratenen Meerschweinchen, die entlang der Straßen verkauft werden, lauschte einem Komiker und rätselte über das Leben der Einwohner, die gefühlt allesamt Verkäufer sind, tagein tagaus scheinbar nichts anderes machen und auch nichts anderes zu erwarten scheinen, einfach so sind wie sie sind – bis ich am Mercado del San Pedro ankam – einer riesigen Markthalle mit tausenden Ständen darin. Ganz Cusco ist voll von Menschen – einheimisch und touristisch, es wird den ganzen Tag lang gefeiert, Musik und Feuerwerksknaller dröhnen von allen Ecken und es ist bunt – Cusco ist die reinste Lebensfreude.


Von dort aus ging es durch den warmen Regen (es ist gerade Winter, also Regenzeit) zum Abendessen und in ein Café, von dem aus ich gerade diese Zeilen schreibe – ein absolutes Goldstück, das ich ganz zufällig gefunden habe:

Das mit dem Essen ist bis jetzt für eine Vegetarierin/Veganerin leichter als gedacht – fast überall hier in Cusco findet man vegetarische/vegane Alternativen. Es schmeckt auf alle Fälle anders – die Gewürze sind lecker und gewöhnungsbedürftig zu gleich. Wenn ich es richtig herausgeschmeckt habe, wird nicht nur Gemüse mit Muña-Kraut gewürzt, sondern auch der Cappuccino. Muña ist ein heimisches Kraut, das die Verdauung und die Atemwege anregt, außerdem verleiht es einem mehr Energie, die man braucht, weil einem bei 3500 Höhenmetern über dem Meeresspiegel schnell mal die Luft weg bleibt. Gerade in den ersten Tagen merken viele Menschen deshalb Kopfschmerzen oder erschwertes Atmen. Glücklicherweise blieb ich davon verschont – dafür nicht vor Magenkrämpfen und Verdauungsproblemen 🙊
Das waren meine ersten paar Tage voller Leere und Lebensfreude seit meiner Abreise hier – es ist nichts passiert und gleichzeitig alles. Auf alle Fälle fühle ich mich hier sehr wohl, sicher und freue mich, wenn Du bis hierhin mitgelesen hast! ☺️
Von Herzen,
Marie-Therese
*die 130 Soles habe ich übrigens wieder zurück bekommen (ein Smoothie um 33€ wäre doch recht viel gewesen) – es war nur ein kleiner Tippfehler bei der Kartenzahlung, der etwas langwierig war, aber mich zu noch mehr Spanisch sprechen brachte 😊



Ich bin so begeistert- ich kann mir aufgrund deiner Beschreibungen alles so gut vorstellen – du bist eine wahrhaftige, lebensbejahende, mutige und junge Frau. Danke, dass du so auf dich hören kannst 🙏🏽. Deine Mama … hab dich lieb 💗