Einer der großen Gründe, warum ich schon seit Jahren unbedingt nach Lateinamerika reisen wollte, ist das Gefühl, das Lieder wie Vuela con el Viento von Ayla Schafer oder Apus von Danit oder Que Florezca La Luz von derselben Künstlerin + Puentes u.a. oder Madre de Luz von Minuk (überall unbedingt reinhören!) in mir auslösen.
Es sind Lieder, die tief in mir etwas berühren und in Bewegung bringen – nicht nur die Melodien, sondern auch die Texte, Aussagen und die Sprache. Vieles davon habe ich selbst in den kleinsten Momenten erlebt: die Verbundenheit mit der Erde zu spüren, während man barfuß durch den Wald läuft; das staunende Überwältigt-Sein von großen, standhaften Bergen in der Ferne; das Kribbeln im Herzen, wenn die Sonne das Gesicht berührt; der sanfte und stürmische Wind, der den Körper ganz von alleine zu bewegen beginnt und auf dessen Schwingen man sich tragen lässt.
Das alles sind Dinge, die für mich so nährend und weltenverändernd sind, sodass ich die Länder, wo diese Lieder, dieses Urwissen herkommt, kennen lernen wollte.
Und nun bin ich hier und bin ..
enttäuscht.
Ja, ich muss mir selbst ganz ehrlich eingestehen, dass ich (bis jetzt) enttäuscht bin. Ich hatte erwartet, dass die Menschen hier naturbewusster sind, dass ihre indigene Kultur so stark verankert ist, sodass sie jede Kolonialisierung und Verwestlichung überlebt hat. Doch das haben sie, so wie ich es empfinde, nicht. Viele Menschen hier kommen mir leer vor. Sie leben vor sich hin ohne das Leben zu hinterfragen – zumindest die ältere Generationen. In den jüngeren Menschen sehe ich Aufbruchsstimmung und den Funken des Lebens.
Ich bin darüber sehr überrascht und bin mir gleichzeitig im Klaren, dass ich noch keine Woche hier bin und bis jetzt nur in Cusco, einer größeren Stadt unterwegs war. Ich bin mir sicher, dass es am Land ganz anders aussieht und dass dort ganz andere Menschen wohnen, die diese Verbindung zur Erde weiterhin fühlen und zelebrieren.
Fürs erste darf ich erkennen, dass ich das tiefe Gefühl, das die Lieder in mir auslösen und das ich so sehr crave, so viel mehr in unseren österreichischen Wäldern erleben kann als sonst wo. Auch wir haben eine erdverbundene, indigene Kultur (, die mich allerdings nie so angesprochen hat 🤓), die der Kultur hier in Lateinamerika und auf der ganzen Welt wohl sehr gleich kommt.
Ich bin auf jeden Fall sehr neugierig auf die kommende Yoga-Ausbildung. Für diese bin ich direkt in der Natur in einem super feinen Retreat Center untergebracht und ich habe die Vorahnung, dass ich über das Yoga und den dortigen Standort dieses tiefe, alte Wissen mehr erfahren werden kann als hier in der Stadt.
Von Herzen,
Marie-Therese

